Manchmal führt einen das Leben an ganz neue Orte. Im Rahmen unserer Reihe „Region der Energiezukunft“ stellen wir Menschen vor, die sich bewusst für einen Neustart in unserer Region entschieden haben. Dieses Mal: Fangning Yuan, auch bekannt als Mike.
Er kommt aus Düsseldorf, hat in Aachen studiert und lebt und arbeitet inzwischen in Wunsiedel – beim UBT Future Energy Lab Wunsiedel.
Kannte er das Fichtelgebirge vorher? Nein. Bereut er den Schritt? Ganz im Gegenteil.
„Ich habe einfach mal gesagt, ich probiere das. Und ich bereue es nicht.“

Von der Großstadt ins Fichtelgebirge
Mike ist in Düsseldorf aufgewachsen. Für sein Studium zog es ihn nach Aachen, wo er Computational Engineering and Science studierte – eine Verbindung aus Informatik und Maschinenbau. Mit Hilfe von Computermodellen und Simulationen lassen sich technische Systeme untersuchen, Probleme lösen und Abläufe verbessern. Genau an dieser Schnittstelle zwischen klassischem Ingenieurwissen und Digitalisierung bewegt sich Mike bis heute.
Nach seinem Masterabschluss stand die Frage im Raum: Wie geht es beruflich weiter?
Die Antwort führte ihn, überraschend für ihn selbst, nach Wunsiedel.
Warum ausgerechnet Wunsiedel?
Die Idee zu promovieren entstand bei einer Abschlussfeier seines Universitäts-Betreuers. Mike begann, nach Arbeitgebern umzusehen, bei welchen auch eine künftige Promotion ermöglicht wird und stieß dabei auf das UBT Future Energy Lab Wunsiedel. Das Thema passte – sogar besser als andere Angebote, die er sich angesehen hatte.
Dass er dafür in eine Region ziehen würde, in der er vorher noch nie gewesen war, hielt ihn nicht davon ab. Wichtig war ihm, in Deutschland zu arbeiten. Bevor die Entscheidung fiel, schaute er sich aber auch an, wie sich Wunsiedel gesellschaftlich und demokratisch positioniert. Was er fand, überzeugte ihn.
Also: ausprobieren. Seit September 2025 lebt Mike nun in Wunsiedel.
Neue Stadt, neue Arbeit, neue Menschen – Mike wartete nicht darauf, dass das neue Leben von allein beginnt. Er suchte sich aktiv Anschluss und fand ihn unter anderem beim Schach. Heute ist er Mitglied bei den Schachfreunden Fichtelgebirge, freitags gehört das Schachspielen fest zu seiner Woche.

Ein digitaler Zwilling für die Energiezukunft
Auch beruflich dreht sich bei Mike vieles um Dinge, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Sein Arbeitsbereich beim Future Energy Lab heißt Digitaler Zwilling. Was zunächst technisch klingt, lässt sich einfach erklären: Ein Digitaler Zwilling bildet ein reales System digital ab. Daten aus der echten Welt helfen dabei, am Computer besser zu verstehen, wie sich Anlagen und Prozesse verhalten – und wie sich Abläufe analysieren und optimieren lassen.
Perspektivisch soll das noch weitergehen: Mit Hilfe von maschinellem Lernen könnten Daten künftig helfen, Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen, bevor tatsächlich etwas ausfällt.
Kurz gesagt: Daten helfen dabei, technische Systeme besser zu verstehen und effizienter zu betreiben. Genau daran arbeitet Mike in Wunsiedel.
Wenn Informatik auf Energiewende trifft
Weil das UBT Future Energy Lab Wunsiedel ein kleines Team ist, bleibt Mikes Arbeit nicht auf einen einzigen Bereich beschränkt. Überall dort, wo Informatik gebraucht wird, kann sein Wissen gefragt sein – sein Hintergrund aus Informatik und Maschinenbau ist dafür eine gute Kombination.
Ursprünglich war die Energiebranche gar nicht sein Ausgangspunkt: Bachelor- und Masterarbeit entstanden im Umfeld der Automobilindustrie. Als es um seine berufliche Zukunft ging, stellte er sich die Frage: In welcher Branche möchte ich wirklich arbeiten?
Die Antwort war Energie – nicht zuletzt, weil Energie uns alle betrifft: im Alltag, in der Wirtschaft, in der Mobilität und in vielen, der großen Zukunftsfragen unserer Zeit.
Was Mike am UBT Future Energy Lab Wunsiedel besonders schätzt, sind die Menschen. Er erlebt seine Kolleginnen und Kollegen als offen, aufgeschlossen und innovativ – passend zum Thema, an dem das Team arbeitet. Denn wer neue Lösungen für die Energieversorgung entwickeln will, muss bereit sein, Dinge anders zu denken. Und dafür muss man nicht zwingend nach München, Berlin oder in eine andere Großstadt, sondern es ist der Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge, eindeutig eine Region der Energiezukunft.
„Ich liebe es, Menschen zu helfen. Und wenn ich damit auch noch einen Beitrag zur Energiezukunft leisten kann, umso besser.“
Vom Großstadtleben zur Natur vor der Haustür
Düsseldorf. Aachen. Wunsiedel. Der Unterschied ist nicht ganz klein. Mike selbst nennt seinen Umzug einen Fassadenwechsel: Statt Großstadttrubel gibt es heute deutlich mehr Ruhe und vor allem mehr Natur – und genau darin entdeckt er inzwischen einen Vorteil. Während Natur früher etwas war, zu dem man erst hinmusste, beginnt sie im Fichtelgebirge praktisch vor der Haustür.
Mike hat sich zum Beispiel schon auf den Weg hinauf zur Kösseine gemacht – anstrengend, aber erfrischend, und ein Erlebnis, das er aus seinem früheren Großstadtalltag so nicht kannte. Auch die Luisenburg Festspiele haben ihn in ihren Bann gezogen: Das Musical „The Rocky Horror Show“ hat ihn sehr begeistert, und wäre es zeitlich möglich gewesen, hätte er sich auch noch „Achtsam Morden“ angesehen. Seine neue Heimat erkundet Mike nicht nur zu Fuß: Auch die FichtelApp nutzt er bereits, um nach Aktivitäten und Möglichkeiten in der Region zu schauen. Berufliche und persönliche Kontakte entstehen ebenfalls – etwa über die Business-Plattform FichtelBusiness von Wunsiedel Business, die ihn neugierig gemacht hat und die er gern wieder besuchen möchte. So entsteht Stück für Stück ein eigenes Netzwerk.

Ein ziemlich ungewöhnlicher Lieblingsort
Fragt man Mike nach seinem Lieblingsort im Fichtelgebirge, nennt er keinen der bekannten Gipfel und auch keinen großen See. Sein Lieblingsort liegt mitten in Wunsiedel: der Kreuzfall, wo sich zwei Wasserläufe auf besondere Weise kreuzen. Der kleine, eher unscheinbare Ort hat ihn von Anfang an fasziniert – und passt vielleicht ziemlich gut zu seiner Geschichte. Denn manchmal sind es nicht die großen Sehenswürdigkeiten, durch die ein neuer Ort zur Heimat wird, sondern die kleinen Entdeckungen, die man irgendwann mit dem eigenen Alltag verbindet.

Und was würde Mike Menschen sagen, die selbst darüber nachdenken, ins Fichtelgebirge zu ziehen?
„Man muss es ausprobieren“
Vor seinem Umzug kannte Mike das Fichtelgebirge nicht. Heute hat er hier einen Arbeitsplatz gefunden, an dem er Zukunftstechnologien mit entwickeln kann.
Er hat Anschluss gefunden, entdeckt die Region und lernt eine Form des Lebens kennen, die sich deutlich von Düsseldorf und Aachen unterscheidet.
Anderen, die mit dem Gedanken spielen, selbst einen solchen Schritt zu wagen, würde er vor allem eines mitgeben:
„Manchmal ist ein Fassadenwechsel gar nicht so verkehrt. Und der Charme, naturverbundener zu leben, ist etwas, das man erst schätzen lernt, wenn man es ausprobiert hat.“
Vielleicht braucht es also nicht immer den perfekten Plan für einen Neuanfang. Manchmal braucht es eine interessante Stelle, ein bisschen Neugier und den Mut zu sagen: Ich probiere das jetzt einfach.
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